Bandriss_Handgelenk Zusammenhangsfrage

Zusammenhangsfrage bei S-L-Bandriss

Im Falle eines Unfallereignisses und eines degenerativen Schadens gibt es bei aller Gemeinsamkeit dennoch Unterscheidungsmerkmale:

Schmerzcharakteristik:

Im Falle eines Unfallereignisses tritt kurz nach dem Unfall und vor allen Dingen in den ersten Tagen und Wochen ein sehr starker Schmerz und Schwellung auf.
Die Unfallverletzten sind in der Regel nicht mehr in der Lage eine handwerkliche Tätigkeit auszuführen.
Häufig werden auch Blutergüsse berichtet, da es bei Zerreißung des Bandes zu einer Einblutung im Gewebe des Handgelenkes kommt.

Bei einem degenerativen Schaden kann eine Überbelastung oder auch eine Verstauchung erstmalig die Beschwerden provozieren.
Sie können aber auch ohne erkennbaren Anlass erstmalig auftreten.
Es entwickeln sich dann Schwellungen und allmählich progrediente Beschwerden, die im Verlauf von Monaten oder Jahren immer schlimmer werden und die Handgelenksfunktion immer mehr beeinträchtigen.

Unterscheidungsmerkmal: Gegenseite.

Im Falle eines Unfalls ist die durch den Unfall verletzte Seite geschädigt, während die unverletzte Seite einen alters entsprechenden Normalbefund zeigt.

feingewebliche Untersuchung (Histologischer Befund)

Ein weiteres Kriterium ist (soweit vorhanden) die feingewebliche Untersuchung. Hier kann zumindest bei arthroskopischen oder operativen Befunden, die kurz nach dem Unfall angefertigt werden, eine Unterscheidung getroffen werden. Viele Wochen nach der Verletzung kann ein Nachweis von (alten) Blutspuren für einen Unfallzusammenhang sprechen

Arthroskopischer Befund:

Im Falle einer erst wenige Tage oder wenige Wochen alter Verletzung kann man im Arthroskop Blutungen direkt nachweisen. Der Nachweis von ausgedehnten Knorpelschäden spricht gegen den Zusammenhang mit einer erst wenige Monate zurück liegenen Bandverletzung.

Unfallhergang:

Die Bänder des Handgelenkes sind ausgesprochen stabil und zugfest. Für ihre Zerreisung sind biomechanische Kräfte erforderlich, die auch zu einem Knochenbruch führen können. Die meisten Bandrisse im Handgelenk entstehen durch Sturz auf das Handgelenk. Aber auch schwere herunter fallende Gegenstände, die mit der gestreckten Hand aufgefangen werden, können zu Bandrissen führen.

Tritt ein Bandriss erstmals nach einer kraftvollen, willentlichen Anstrengung auf, z.B. beim Anheben eines schweren Gegenstandes oder nach einer längeren Arbeitsüberlastung, so spricht dieser Hergang für einen degenerativen Bandschaden.

begleitende Frakturen:

Bandrisse im Handgelenk können zusammen mit Frakturen entstehen. Die Fraktur eines vormals gesunden Knochens beweist, dass das Handgelenk einer gravierenden Gewalteinwirkung ausgesetzt war. Der Zeitpunkt der – meist bekannten – Fraktur, ist wichtig für die Unterscheidung, ob das angeschuldigte Trauma oder ein anderes Trauma ursächlich war.

Röntgenbefund:

Ein Röntgenbefund, der eine gut sichtbare Arthrose oder gar einen Zusammenbruch der Handwurzel zeigt, schließt ein erst Wochen oder Monate zurückliegendes Unfallereignis als wesentliche Ursache aus. Arthrosen des Handgelenkes oder ein Zusamenbruch der Handwurzel entstehen erst nach vielen Jahren (oft Jahrzehnten) nach der Bandverletzung.

Handgelenksarthrose_BandrissDie Abb. zeigt eine schwere Arthrose des Handgelenkes nach einem S-L-Bandriss.

Die gesamte Knorpelfläche (Pfeil) zwischen Speiche und Kahnbein (K) ist zerstört.

Eine solche hochgradige Arthrose des Handgelenkes, schließt ein Unfallereignis, das wenige Monate oder 1-2 Jahre zurückliegt aus, da die Arthroseentwicklung wesentlich längere Zeiträume benötig.

in Kürze:

  • Bei aller Gemeinsamkeit zwischen traumatischen Bandrissen und degenerativen Bandschäden existieren eine Vielzahl von Unterscheidungskriterien.
  • Dabei ist für die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines Unfallzusammenhanges selten nur das einzelne Kriterium entscheidend, sondern die Gesamtheit aller Unterscheidungsmerkmale gilt es zu berücksichtigen.

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