BK 2103 Kahnbein

Neben den beiden Unterarmknochen Speiche und Elle wird das Handgelenk von 8 Handwurzelknochen und den dazwischen gelegenen Bandverbindungen gebildet. Einer der wichtigsten Handwurzelknochen ist das Kahnbein.

Handgelenk1Das Kahnbein liegt auf der Daumenseite der Handwurzel.  Abb. links

 

Kommt es – gleichgültig infolge welcher Ursache – zu einem Bruch des Kahnbeins, so besteht die beträchtliche Gefahr, dass dieser Bruch nicht ausheilt und im weiteren Verlauf das Kahnbein in zwei Teile zerfällt. Es entwickelt sich eine Kahnbeinpseudarthrose.

Kahnbeinfraktur_8_Jahreder Pfeil in nebenstehender Abb. zeigt auf eine alte – nicht verheilte Kahnbeinfraktur (sogn. Kahnbeinpseudarthrose)

Bei sehr langer Bestandszeit (über viele Jahre und Jahrzehnte) kommt es im Rahmen der Kahnbeinpseudarthrose auch zu einer Arthrose des gesamten Handgelenkes.

Brüche des Kahnbeins:

Im Zusammenhang mit der BK 2103 kann das Kahnbein im Sinne eines Ermüdungsbruches frakturieren. Hierbei wird besonders auf die Erfahrung im Bergbau verwiesen. Als besonders belastend hat sich hierbei eine Handgelenksbewegung beim seitlichen Losbrechen von Kohlenanlagen mit tief eingetriebenem Drucklufthammer erwiesen.

Hier sind zwei Verlaufsformen aus ärztlicher gutachterlicher Sicht zu unterscheiden:

  • Zum einen können unmittelbar bei oder nach beruflicher Belastung stärkere Beschwerden auftreten, die Anlass für eine Röntgenuntersuchung sind.
  • Das Röntgenbild zeigt dann einen Bruch im Kahnbein oft mit Darstellung einer so genannten Ermüdungszyste im Kahnbein an.

Kahnbeinbeinpseudarthrose_Cysteneben stehende Abb, zeigt einen solchen Kahnbeinbruch mit Zyste im Bruchgebiet

zur gutachterlichen Abwägung solcher Ermüdungsbrüche ist der zeitliche Verlauf wichtig:

Wurde die berufliche Tätigkeit aufgegeben, so ist es höchst unwahrscheinlich, dass nach mehr als 18 Monaten eine Ermüdungsfraktur des Kahnbeins auftritt, die im Zusammenhang mit der Arbeit steht.

Andererseits können jedoch Ermüdungsbrüche des Kahnbeins auch nahezu vollständig symptomlos oder so symptomarm verlaufen, so dass die Betroffenen den Ermüdungsbruch zum Zeitpunkt der Entstehung nicht bemerken.

 Es entwickelt sich dann allmählich das charakteristische Bild der Kahnbeinpseudarthrose, das heißt, das Kahnbein zerfällt mehr und mehr in zwei völlig separierte Hälften, die immer weiter von einander weg weichen. Im Spätstadium nach Jahren und Jahrzehnten entsteht zusätzlich eine sekundäre Arthrose des gesamten Handgelenkes.

Handgelenksarthrose_Kahnbeinin nebenstehender Abb. ist das Kahnbein in 2 Teile auf gespalten und der Gelenkspalt zur Speiche erheblich vermindert (Pfeil)

 Es besteht ein schwere Arthrose des Handgelenkes

Aus gutachterlicher Sicht ist besonders schwierig eine solche Situation abzugrenzen:

Hierzu muss folgender medizinischer Sachverhalt hervorgehoben werden:

Nach den Brüchen der Speiche ist der Kahnbeinbruch der zweithäufigste Bruch im Bereich von Hand und Handgelenk. Auch wenn viele Verletzte primär am Unfalltag oder kurz darauf ärztliche Hilfe aufsuchen und eine Röntgenaufnahme erfolgt, so liegt die Tücke einer frischen Kahnbeinfraktur in zwei Aspekten:

Auch ein später eindeutig nachgewiesener Kahnbeinbruch lässt sich nicht immer auf einer Röntgenaufnahme am Unfalltag oder kurz darauf erkennen.

Manche Kahnbeinbrüche sind in den ersten Tagen nach dem Unfall derart  arm an Symptomen, dass die Betroffenen glauben, sie hätten sich eine Verstauchung des Handgelenkes zugezogen. Da die Beschwerden vielfach auch wenige Tage nach dem Unfallereignis abklingen, suchen die Verletzten dann keinen Arzt auf.

So ein, auf die eine oder andere Weise nicht erkannter Kahnbeinbruch, heilt infolge ausbleibender Behandlung auch nicht aus. Das Kahnbein zerfällt in den darauf folgenden Monaten und Jahren mehr und mehr in zwei völlig selbständige Teile. Es entsteht das klassische Bild einer Kahnbeinpseudarthrose mit der Spätfolge einer globalen Arthrose des gesamten Handgelenkes.

Hier ist zunächst wiederum festzustellen, dass die Röntgenbildveränderungen der Kahnbeinpseudarthrose (Kahnbeinfalschgelenkbildung) vollkommen gleich aussehen, gleichgültig, ob sie durch einen Unfall, oder durch einen vibrationsbedingten Schaden entstanden sind.

Diese Schwierigkeit ist dann lösbar, wenn in alten Krankenaufzeichnungen Stürze (Verstauchungen) des betreffenden Handgelenkes erwähnt sind und besonders dann, wenn alte Röntgenaufnahmen noch zu beschaffen sind.

Mit modernen Bildbearbeitungsverfahren ist es selbst bei alten Röntgenaufnahmen heute möglich, unter Umständen kleinere Bruchlinien darzustellen, die das bloße Auge früher auf Röntgenbildern nicht erkennen konnte.

Vordergründig mag man einwenden, dass bei wahrheitsgemäßer Schilderung der Krankenvorgeschichte ein Unfallereignis, wie eine Fraktur – selbst wenn es länger zurückliegt – vom Betroffenen erinnert und geschildert werden müsste:

Dies ist jedoch nicht so!

Wie bereits oben erwähnt können Kahnbeinbrüche so Symptom arm sein, dass sie wie eine Verstauchung des Handgelenkes wirken. Liegt eine solche “Verstauchung“ jetzt Jahre oder Jahrzehnte zurück, wird sie nicht mehr erinnert.

Jeder Handchirurg kennt die Situation aus seiner Sprechstunde. Wenn Patienten erste Beschwerden im Rahmen der sich entwickelnden Handgelenksarthrose verspüren, suchen sie oft erstmals den Arzt auf. Die Diagnose eines alten Kahnbeinbruches, (Kahnbeinpseudarthrose) wird dann anlässlich einer Röntgenaufnahme erstmals gestellt, auch Betroffene außerhalb jeder versicherungsrelevanten Situation sind oft überrascht, dass hier einmal ein Unfall stattgefunden haben muss.

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