BK 2103 Lokalisation

Lokalisation von Gelenkveränderung bei Vorliegen einer BK-2103

Sind nun bei einem zu begutachtenden Patienten die arbeitstechnischen Voraussetzungen für die Anerkennung der Berufskrankheit nach Nr. 2103 gegeben, so fällt dem begutachtenden Arzt die nicht ganz einfache Aufgabe zu, die bei einem Patienten vorhandenen krankhaften Veränderungen (zum Beispiel Arthrosen unterschiedlicher Gelenke im Handarmbereich) ursächlich zuzuordnen.

PresslufthammerBei langjähriger Tätigkeit in der links dargestellten Weise, sind eine Reihe von Gelenkschädigungen möglich

Wie bereits erwähnt gibt es an einem einzelnen von einer Arthrose betroffenen Gelenk keine spezifischen Röntgenveränderungen, die eine ursächliche Zuordnung der Arthrose ermöglichen.

Um die Frage, ob im Einzelfall des zu Begutachtenden eine Berufskrankheit nach Nr. 2103 vorliegt, hilft jedoch das Wissen, dass diese Druckluft- oder vibrationsbedingten Schäden eine charakteristische Verteilung an Hand, Arm und Schulter aufweisen.

1.  So ist bei einem durch Druckluftwerkzeuge bedingten Schaden am häufigsten das Ellenbogengelenk mit ca. 70 % betroffen.

2.  Am zweithäufigsten ist das im Bereich des Handgelenkes gelegene   körperferne Drehgelenk zwischen Elle und Speiche mit rund 25 % betroffen.

3.  Am seltensten ist mit 5% das Schultereckgelenk betroffen.

Neben den genannten 3 Gelenken gibt es jedoch auch noch 3 Sonderformen von vibrationsbedingten Schädigungen im Bereich von Hand und Arm.

Es sind dies:

1. Der Ermüdungsbruch des Kahnbeins (Os scaphoideum)

2. Der Mondbeintod  (Lunatummalazie, Kienböck’sche Krankheit)

3. Die  Osteochondrosis dissecans  im Ellenbogegengelenk (Freie Gelenkkörper im Ellenbogengelenk)

(Diese drei  genannten Sonderformen werden in jeweils einem eigenen Beitrag spezifiziert )

Abwägende Überlegungen müssen jedoch zur individueller Neigung zu Arthrosen angestellt werden!

Bei einer gutachterlichen Untersuchung mit der Fragestellung eines vibrationsbedingten Schadens an der oberen Extremität ist zwingend geboten die Röntgenaufnahme:

  1. beider Handgelenke in zwei Ebenen,
  2. beider Ellenbogengelenke in zwei Ebenen
  3. beider Schultern in zwei Ebenen.

Nur auf diese Weise kann gesichert werden, ob und welche Manifestation ein vibrationsbedingter Schaden hinterlassen hat.

Für den gutachterlich tätigen Arzt gilt es aber auch zu beurteilen, ob im Einzelfall eine individuelle Neigung zu Arthrosen vorliegt, die das altersentsprechende Durchschnittsmaß weit überschreitet. Hierzu ist es erforderlich, neben den drei genannten Gelenken auch andere Gelenkabschnitte radiologisch zu untersuchen, besonders geeignet ist hier die Halswirbelsäule (HWS).

(Auch andere radiologische Untersuchungen wie Beckenübersicht oder Kniedarstellungen sind erwähnenswert. Aus Sicht der Strahlenbelastung sollten diese Röntgenaufnahmen jedoch meines Erachtens nur in begründeten Einzelfällen vorgenommen werden. Vielfach ist es hier auch möglich ältere Röntgenaufnahmen, die aus diagnostischen oder therapeutischen Gründen angefertigt wurden, heranzuziehen.)

Die Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule (HWS) in zwei Ebenen untersucht einen Gelenkabschnitt, der sicherlich nicht von einem vibrationsbedingten Schaden betroffen sein kann.

Findet man im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) (vergleichen sie die Abbildung unten)  ausgeprägte degenerative Schäden, die den altersentsprechenden Durchschnitt weit übersteigen, so spricht dies für eine individuelle Neigung zu Arthrosebildung.

in Kürze:

  • ein von Arthrose betroffenes Gelenk zeigt keine spezifischen Röntgenveränderungen, die einen direkten Rückschluss auf einen Vibrationsbedingten Schaden erlaubten.
  • Druckluft- oder vibrationsbedingten Schäden zeigen jedoch eine charakteristische Verteilung an Hand, Arm und Schulter
  • durch Druckluftwerkzeuge bedingten Schäden betreffen am häufigsten das Ellenbogengelenk mit circa. 70 % , am zweithäufigsten das körperferne Drehgelenk zwischen Elle und Speiche

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