BK 2104 Zusammenshangsfrage

Zusammenhangsfrage und Schätzung der Minderung der Erwerbsfähigkeit:

Die hohe Schwingungsenergie bestimmter Werkzeuge (z. B. druckluftbetriebener Schlagschrauber) wird von dem Weichteilgewebe der Finger sowie auch der Handinnenfläche aufgenommen. Es kommt in der Hand zu einem Mitvibrieren (sog. Passive Vibrationen).

Diese passiven Vibrationen treten an der Kontaktstelle zwischen Hand und Maschine (z. B. am Haltegriff) auf. Besonders bei Arbeiten im Freien (d. h. bei niedrigen Temperaturen) wird die Wirkung der passiven Vibrationen verstärkt.

Liegt neben der arbeitstechnischen Voraussetzungen das klassische (wenn auch seltene) Krankheitsbild des VVS vor und sind die Veränderungen im wesentlichen auf die Handbereiche begrenzt, die das vibrierende Werkzeug halten, so ist die Zusammenhangsfrage einfach zu bejahen.

In allen anderen Fällen müssen alle in Betracht kommenden Gefäß- und neurologischen Erkrankungen erwogen werden. Auch Erkrankungen aus dem Intern-rheumatologischen Fachgebiet (z.B. Kollagenosen) müssen in Betracht gezogen werden, da auch diese zu Durchblutungsstörungen der Finger führen können.

MdE – Schätzung:

Die Schätzung der Minderung der Erwerbsfähigkeit ist im Falle eines VVS recht komplex, da das Krankheitsbild in seiner Symptomatik von üblichen traumatischen Gesundheitsschäden doch recht gravierend abweicht.

Zudem kann der Schweregrad der Erkrankung kann mit und ohne neurologische Symptome sehr unterschiedlich sein:

Die Stockholmer Arbeitsgruppe (Stockholm Workshop Classification) hat 1994 eine für die Praxis gut gebräuchliche Stadieneinteilung entwickelt, die ich kurz wiedergeben will:

Stadium Vasospastische Symptome

 

0 V Keine

 

I V Gelegentliche Anfälle, bei denen nur Kuppen eines oder mehrer       Finger betroffen sind

 

II V Hierbei kommt es zu gelegentlichen Anteilen, mit denen nicht nur die Endglieder, sondern auch die Mittelglieder und gelegentlich auch die Grundglieder eines oder mehrerer Finger betroffen sind

 

III V In diesem Stadium kommt es zu häufigen Anfällen, bei der alle Glieder der meisten Finger betroffen sind

Ist zusätzlich auch eine sensible Störung, wie Taubheitsgefühl und Kribbeln oder gemindertes Hautgefühl mit vorhanden, so lautet die Stadieneinteilung wie folgt:

Stadium Sensible Symptomatik

 

0 SN Keine

 

I SN In diesem Stadium kommt es zu gelegentlichen Anfällen mit Taubheitsgefühl, das auch von Kribbelmissempfindungen begleitet sein kann

 

II SN Hierbei kommt es zu gelegentlichem, manchmal aber auch andauerndem Taubheitsgefühl mit gemindertem Hautgefühl

 

III SN In diesem Stadium dominiert ein gelegentliches, oft auch andauerndes Taubheitsgefühl mit Minderung des feinmotorischen Geschickes sowie auch einer Minderung der Unterscheidungsfähigkeit beim Tasten

Diese Stadien können in der betroffenen Hand für jeden einzelnen Finger unterschieden werden!

Hier besteht bei Betroffenen zum Beispiel in der warmen Jahreszeit keinerlei Anfall im Sinne eines vibrationsbedingten vasospastischen Syndroms. In der warmen Jahreszeit sind Betroffene oft völlig symptomfrei.

In der kühleren Jahreszeit  hingegen sind die Anfälle, die unterschiedlich viele Finger betreffen, können, gelegentlich. Betroffene sind dann gezwungen, um die Dauer des Anfalls zu verkürzen, die Hand wieder langsam aufzuwärmen. In geschlossenen warmen Räumen treten Symptome praktisch nicht auf.

Bei Kälteexposition – zum Beispiel im Winter bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und darunter – treten bei Aufenthalt im Freien, die Anfälle aber häufiger auf. Selbst das Benutzen eines Handschuhs schützt  nach einer gewissen Zeit nicht mehr vor dem Einsetzen der vibrationsbedingten vasospastischen Störung.

Der Unterschied beispielsweise zu einem Verletzten mit einer Amputation, ist hier klar zu sehen:

Die Amputationsverletzung ist ständig. Die Behinderung tritt zwar auch bei bestimmten Aufgaben deutlicher zutage als in Ruhe, allerdings hat nicht selten auch der Amputationsverletzte verstärkte Beschwerden bei Kälteexposition.

Da in den unfallmedizinischen Erfahrungswerten die hier vorliegende Situation eines anfallartigen Vasospasmus mit sicherlich funktionell sehr störenden Beschwerden nicht gesondert erfasst ist, verbleibt als einzige Möglichkeit der MdE – Abschätzung ein Vergleich mit allgemein anerkannten unfallmedizinischen Erfahrungswerten.

Dabei muss das Stadium der Erkrankung, die Zahl der betroffenen Finger und die Anfallhäufigkeit abgewogen werden.

in Kürze:

In den meisten Fällen ist beim VVS die dominante Hand ausschließlich betroffen, da mit der dominanten Hand der Haltegriff der vibrierenden Maschine fixiert wird. Betroffen sind hier schwerpunktmäßig Zeige-, Mittel-, Ring- und Kleinfinger.

Die Schätzung der Minderung der Erwerbsfähigkeit ist recht schwierig, da das Krankheitsbild in seiner Symptomatik von den meisten traumatischen Gesundheitsschäden  gravierend abweicht.

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