BK 2113 Zusammenhangsfrage

Zusammenhangsfrage BK 2113:

Das Karpaltunnel – Syndrom ist eine ungemein häufige Erkrankung.

Besonders häufig von dieser Erkrankung sind Frauen betroffen. Etwa 1% aller Frauen über 40 Jahre leiden zumindest zeitweise an einem Karpaltunnel – Syndrom.

Vielfach lässt sich die Ursache des Karpaltunnel – Syndroms nicht feststellen.

Abwägungen zum ursächlichen Zusammenhang

Aus der Sicht des Handchirurgen ist bei gutachterlicher Untersuchung zum ursächlichen Zusammenhang eines nachgewiesenen Karpaltunnel – Syndroms und der Entstehung wichtig, dass andere Ursachen, die für die Entstehung eines Karpaltunnel – Syndroms wichtig sind, ausgeschlossen werden.

In ausführlichen handchirurgischen Lehrbüchern findet man – unter Mitberücksichtigung auch der seltenen Ursachen – seitenlange Aufzählungen von Erkrankungen, die ursächlich für ein Karpaltunnel – Syndrom sind.

An dieser Stelle sollen die wichtigsten Ursachen skizziert werden:

  1. Unfallfolgen
    Unfälle, die zu einer Veränderung des Raums im Karpaltunnel führen, verursachen häufig ein Karpaltunnel – Syndrom. So können verschobene Speichenbrüche, Kahnbeinbrüche oder auch andere Brüche der Handwurzel, zu einer gravierenden Einengung des Karpalraums und damit zu einem Karpaltunnel – Syndrom führen. Eine solche unfallmedizinische Ursache ist auszuschließen.
  2. Erkrankungen, die zur Wucherung der Sehnenscheide führen:
    Eine Vermehrung der Sehnenscheide (Hypertrophie der Synovialis) führt im Karpaltunnel zu einer Druckschädigung des Nervus medianus. Diese Wucherung der Sehnenscheide kann durch eine berufliche Belastung entstehen. Es gibt jedoch auch Erkrankungen, die zu dieser Wucherung der Sehnenscheide führen.Besonders bekannt für diese Art der Entstehung des Karpaltunnelsyndroms, ist die rheumatoide Arthritis und die Dialyse bedingte (künstliche Niere) Wucherung der Sehnenscheide.

    Auch vielfältige hormonelle Veränderungen – wie Fehlfunktionen der Schilddrüse, der Hirnanhangdrüse oder auch der Geschlechts-hormone – führen zu Wucherungen der Sehnenscheide und sind gegenüber berufsbedingten Wucherungen der Sehnenscheide abzugrenzen.

  3. Arthrose des Handgelenkes:
    Arthrosen des Handgelenkes sind – auch jenseits von Unfällen oder beruflichen Belastungen – häufig vorkommende Befunde. Auch eine schwere Handgelenksarthrose oder arthrotische Anlagerungen am Daumensattelgelenk, vermögen den Karpaltunnel einzuengen oder in diesem Bereich zu Schwellungen zu führen.

Eine röntgenologische Untersuchung des Handgelenkes klärt diese Differenzialdiagnose sehr leicht.

  1. Tumoröse Veränderungen:
    Tumore im Bereich der Handwurzel sind selten aber möglich. Kommen solche Tumore so sind sie die wesentliche Ursache für die Druckschädigung.
  2. Stoffwechselbedingte Schäden:
    Bei der Gicht, dem Diabetes mellitus und dem Ödem bei Schilddrüsenunterfunktion (Myx-Ödem) kommen Schwellzustände im Bereich der Sehnenscheiden vor. Diese sind bei der Zusammenhangsbeurteilung abzuwägen.
  3. Das Karpaltunnelsyndrom kommt in manchen Familien gehäuft vor.
    In manchen Familien kommen Karpaltunnelsyndrom bei vielen Geschwistern oder den Eltern vor. Ursache dieser familiären Häufung ist oft eine anlagebedingte Enge im Karpaltunnel.Ein familiär gehäuft auftretendes Karpaltunnelsyndrom spricht für eine anlagebedingte Enge im Karpaltunnel.
  4. Aus Sicht des ärztlichen Gutachters ist besonders dann ein Zusammenhang zu bejahen, wenn – neben den vorliegenden arbeitstechnischen Voraussetzungen – folgende Umstände zutreffen:
  • Fehlen der oben genannten Gründe, die gehäuft mit einem Karpaltunnelsyndrom assoziiert sind.
  • Erkrankungsbeginn in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Berufstätigkeit, aber wesentlich früher als das durchschnittliche Erkrankungsalter am Karpaltunnelsyndrom (vor dem 50. Lebensjahr).
  • Erkrankungsbeginn an der stärker belasteten Hand.
  • Fehlen anderer Nervenkompressions-Syndrome, die für eine Neigung zu Druckschädigungen an Nerven aus körpereigenen Gründen sprechen.
  • Keine (biologisch) verwandte Personen bekannt sind, die bereits an einem Karpaltunnelsyndrom erkrankten

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