Discus Zusammenhangsfrage

Die Zusammenhangsfrage bei Schäden am Diskus des Handgelenkes

Für die Beurteilung der Zusammenhangsfrage sind eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen:

Unfallhergang:

Ein (heftiger) Sturz auf das ausgestreckte Handgelenk oder eine extreme Verdrehung des Handgelenkes sind geeignet, einen traumatischen Diskusriss zu verursachen. Hingegen sind Zugbelastungen (Festhalten bei einem Absturz, Tragen eines schweren Gegenstandes)  ungeeignet, einen traumatischen Diskusschaden zu verursachen.

(zur Erinnerung: Der Diskus ist ein „Stoßdämpfer“ im Handgelenk)

Verhalten nach dem Unfall:

Der (echte) traumatische Diskusriss ist ein recht schmerzhaftes und akutes Ereignis, dass dazu zwingt, Belastungen des Handgelenkes zu vermeiden. Ein Weiterarbeiten über Tage oder gar Wochen bei schwerer körperlicher Tätigkeit spricht gegen einen traumatischen  Diskusriss

Untersuchungsbefund zeitnah zum Unfall:

Die Beschwerden (eventuell auch die Schwellungen) müssen bei einem traumatischen Diskusriss im ellenseitigen Abschnitt des Handgelenkes dokumentiert sind.

Die Abb. zeigt einen Fall aus der Praxis:

Handgelenk_Diskus_ErstbefundIm D-Arztbericht sind 14 Tag nach der Verletzung Schmerzen im mit rotem  x  gekennzeichneten Handgelenksbereich dokumentiert.
Bei einer traumatischen Diskusschädigung wäre jedoch ein Schmerzherd im Bereich des weißen Pfeiles zu erwarten

Alleinige Schmerzen (und Schwellungen) in den zentralen oder speichenseitigen Abschnitten des Handgelenkes sprechen gegen einen traumatischen Diskusriss

Röntgenbild:

Im Röntgenbild kann der Diskusschaden nicht gesehen werden. Das Röntgenbild dient dem Ausschluss von Frakturen.Weit dem Alter vorauseilende Verschleißprozesse (Arthrosen) im Handgelenk können jedoch auch erkannt werden. Sie sprechen für eine anlagebedingte Neigung zu degenerativen Prozessen.

MRT (Kernspintomogramm)

Liegt der Diskusschaden im Zentrum des Diskus (dünnste Stelle), so spricht dies für einen degenerativen Schaden.

Handgelenksspiegelung (Arthroskopie)

Auch hier gilt: eine zentrale Diskussschädigung entspricht eher einem degenerativem Prozess, hingegen deuten ansatznahe Schäden auf ein Trauma

Histologie (feingewebliche Untersuchung)

Gewebe, das bei einer arthroskopischen Untersuchung entnommen wurde, kann mikroskopisch untersucht werden. Bei ausreichender Gewebemenge kann der Pathologe zwischen traumatischer und degenerativer Genese unterscheiden

Blutung:

Eine im Arthroskop gesehene Blutung ist mehrdeutig! Auch degenerative Diskusrisse, die im Rahmen einer Gelegenheitsursache entstanden sind, können (geringe) Blutungen verursachen.

Auch durch therapeutische Maßnahmen wie Injektionen aber auch die durch Arthroskopie selbst, können kleinere Blutmengen in den Bereich des Diskus gelangen.

Frische, stärkere Blutungen, die zeitnah zum Unfall bei der Handgelenksspiegelung entdeckt werden, sind jedoch ein klares Indiz für eine traumatische Genese des Diskusschadens.

Gelenk und Sehnenbefunde außerhalb des Handgelenkes:

Vielfältige Sehnen- und Gelenkerkrankungen an anderer Stelle schließen zwar den traumatischen Diskusschaden nicht aus, sie sprechen jedoch für eine schicksalhafte Neigung zu degenerativen Schäden.

in Kürze:

Zur Abgrenzung zwischen degenerativer Genese und Trauma muss der ärztliche Gutachter eine Vielzahl von Aspekten berücksichtigen:

Nur selten kann einem einzelnen Aspekt wie z.B. einer starken Blutung oder der Lokalisation des Diskusschadens eine so überragende Bedeutung beigemessen werden, dass allein hieraus eine Wahrscheinlichkeit im Hinblick auf den Zusammenhang abgeleitet werden kann.

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