Kahnbein Unfallhergang

Aus der Praxis

Von einem verwirrten Patienten wird eine Krankenschwester durch einen direkten Schlag mit einem Tablett auf das linke Handgelenk verletzt:

Kahnbeinfraktur_8_JahreIn D-Arztbericht werden eine oberflächliche Hautabschürfung und ein kleiner Bluterguss beschrieben. Bei der Röntgenuntersuchung wird eine alte Kahnbeinfraktur diagnostiziert.

Zur speziellen Vorgeschichte wird ein 8 Jahre zurückliegender Fahrradsturz berichtet. Auf dem alten Befund ist keine Fraktur beschrieben. Gelegentlich bestanden nach starker Belastung Schmerzen am linken Handgelenk.

Aus der Sicht des ärztlichen Gutachters:    

das obige Röntgenbild zeigt keine frische Kahnbeinfraktur, sondern eine Kahnbeinpseudarthrose (Falschgelenkbildung des Kahnbeines, die Folge eines lange zurückliegenden Kahnbeinbruches ist)

Der Unfallhergang ist nicht geeignet eine Kahnbeinfraktur zu verursachen!

Abwägungen zum Unfallhergang:

Die ganz überwiegende Zahl der Kahnbeinbrüche entsteht indirekt. Der klassische Kahnbeinbruch wird verursacht durch einen Sturz auf das Handgelenk, bei dem meist gleichzeitig das Handgelenk überstreckt wird.

Unfallhergang_KahnbeinBesonders gefährdet ist das Kahnbein, wenn der Körper sich nach dem Sturz weiter bewegt und das Handgelenk überstreckt wird (Abb. links)

Der Sturz auf die Hand bei gestrecktem Handgelenk führt besonders dann zum Kahnbeinbruch, wenn der Körper in einer Vorwärtsbewegung ist!

Andere indirekte Mechanismen sind schwerere Lasten, die das Handgelenk in Überstreckstellung bringen oder auch der Torwart, der einen mit großer Wucht geschossenen Ball gegen das gestreckte Handgelenk bekommt.

Ein seltener, aber auch möglicher Unfallhergang ist der Sturz auf das gebeugte Handgelenk.

Verglichen mit diesen indirekten Mechanismen kommen Kahnbeinbrüche durch direkte Gewalteinwirkung kaum vor. Ausnahmen sind Schussverletzungen oder extrem grobe Gewalteinwirkungen, die das Handgelenk eröffnen und den Knochen direkt zerteilen.

Um die Schwere der hierfür notwendigen Gewalteinwirkung zu verdeutlichen, zähle ich einmal aus persönlicher Erfahrung den Unfallhergang auf, der zu den drei letzten Kahnbeinbrüche führte, die ich durch direkte Gewalteinwirkung gesehen habe:

  • Handgelenk unter Baggerschaufel

  • Handgelenk in Stanze geraten

  • Handgelenk von Kleinlaster überfahren

in Kürze:

Der Sturz auf die Hand bei gestrecktem Handgelenk kann sowohl zu einem Speichen- wie auch zu einen Kahnbeinbruch führen:

Das Kahnbein frakturiert besonders häufig, wenn unmittelbar beim Sturz das Handgelenk auch noch überstreckt wird:

Klassischer Unfallhergang:

Sturz vom Fahrrad, Motorrad, Ski….

Einfache Prellungen im Bereich des Handgelenkes führen nicht zu einem Kahnbeinbruch!

Kahnbein:    1    2    3    4    5    6

 

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