Kahnbein Zusammenshangsfrage

aus der Praxis

Zeitungsbote X erlitt vor 7 Jahren einen Fahrradsturz mit Verstauchung des linken Handgelenkes bei versicherter Tätigkeit.

Die Röntgenaufnahme vom Unfalltag wurde als „keine Fraktur“ diagnostiziert. Im D-Arztbericht laute die Diagnose: schwere Verstauchung

7 Jahre später kommt es erneut zum Unfall bei einem Sturz auf die gleiche Hand. Die niemals ganz abgeklungenen Schmerzen werden wieder sehr stark und eine erneute Röntgenaufnahme wird angefertigt, die eine alte Kahnbeinfraktur zeigt.

Zusammenhangsfrage aus der Sicht des ärztlichen Gutachters:

Die meisten Verletzten suchen in den ersten Tagen nach dem Unfall einen Arzt auf, der dann eine Röntgenaufnahme veranlasst.

Auch bei entsprechender Symptomatik (Schmerzen und Schwellungen) und einer Röntgenuntersuchung kann nicht jeder Kahnbeinbruch erkannt werden. Die Bruchlinie im Kahnbein ist gelegentlich so haarfein, dass sie auch vom erfahrenen Arzt nicht gesehen werden kann.

Eine weitere Tücke des Kahnbeinbruches besteht nun darin, dass selbst anfänglich starke Beschwerden innerhalb weniger Tage oder Wochen weitgehend abklingen können.

Kommt es nun nach Jahren zu einer erneuten Verletzung oder starken Belastung des Handgelenkes, so werden die Beschwerden wieder aktiviert. Eine erneute Röntgenaufnahme zeigt dann oft einen gut sichtbaren Bruchspalt im Kahnbein als Folge einer länger zurückliegenden Fraktur.

Kahnbeinfraktur_8_Jahre

die Kahnbeinfraktur in nebenstehender Abb. ist alt. Dafür spricht der gut sichtbare Frakturspalt und besonders die sekundären Umbauvorgänge, die für einen erfahren Handchirurgen gut zu erkennen sind

Auch wenn ein länger zurückliegender Arbeitsunfall mit Verletzung des Handgelenkes aktenkundig ist, so belegt dies nun aber keineswegs ausreichend wahrscheinlich, dass der später diagnostizierte Kahnbeinbruch Folge des dokumentierten Arbeitsunfalls ist….

Es muss die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass durch weitere Unfälle – z.B. in der Freizeit – ein nicht aktenkundiger Kahnbeinbruch entstanden ist, von dem auch der Betroffene keine Kenntnis hat.

In einer solchen Situation kann die Berufgenossenschaft oder das Gericht die alten – bei der Erstverletzung gemachten Röntgenbilder – einem besonders erfahren Handchirurgen vorlegen:

Dieser kann aus seiner persönlichen besonderen Erfahrung, aber auch in Kenntnis der jetzt neu angefertigten Röntgenbilder mit sichtbarer Fraktur, die alten Röntgenbilder neu bewerten.

Eine besondere technische Möglichkeit aus jüngerer Zeit – die ich persönlich bevorzuge – besteht darin, das alte Röntgenbild zu digitalisieren. (Dies kann z.B. durch Scannen des Röntgenbildes in einem speziellen Scanner für Röntgenbilder geschehen.)

Kahnbein_Schwerin nebenstehender Abb. ist eine auf diese Weise bearbeitete Frakturlinie zu erkennen, die im ursprünglichen Röntgenbild nicht zu sehen war!

Betrachtet man die so bearbeiteten, alten Röntgenbilder nun in einer Vergrößerung und hohen Bildschirmauflösung, so kann oft eindeutig eine alte – ehemals nicht sichtbare Fraktur – eindeutig erkannt werden.

Zeigt sich in einem so bearbeiteten Röntgenbild, die ehemals nicht sichtbare Frakturlinie, so kann eindeutig zur Frage des Unfallzusammenhanges Stellung bezogen werden.

in Kürze:

Nicht jeder Kahnbeinbruch kann bei einer Röntgenuntersuchung erkannt werden. Die Bruchlinie im Kahnbein ist gelegentlich so haarfein, dass sie auch vom erfahrenen Arzt nicht gesehen werden kann

Mit heutigen technischen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung, kann jedoch oft auch auf alten Röntgenbildern – mit hoher Wahrscheinlichkeit – ein eventuell vorhandener Kahnbeinbruch erkannt werden

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