Nervenschaden Zusammenhangsfrage

Zusammenhangsfrage zwischen Trauma und Karpaltunnelsyndrom:

Bei der Prüfung der Zusammenhangsfrage, ob im Einzelfall das Karpaltunnelsydrom mit Wahrscheinlichkeit Folge eines Unfalls ist oder nicht, berücksichtigt der ärztliche Gutachter folgende Aspekte:

Grundlage:

Das Karpaltunnelsyndrom ist zwar eine sehr häufige Erkrankung völlig unabhängig von Unfällen; dennoch rund 10 – 15 % der betroffenen Patienten haben einen Unfall in der Krankenvorgeschichte!

Für einen Zusammenhang sprechen:

  1. Gründe an Knochen oder Gelenk:
  • Handgelenksnaher Speichenbruch mit Verschiebung der Bruchstücke
  • Nicht verheilter Kahnbeinbruch
  • Verschobene Knochenstücke von Handwurzelknochen in Richtung Karpalkanal
  • Schwere Arthrose ausschließlich im verletzten Handgelenk als Folge einer Fraktur
  • (z.B. Spätfolge eines Speichenbruches)

 2.   Verletzungen mit Entwicklung tiefer Narben

  • Schwere Weichteilquetschung im Unterarm oder Handgelenksbereich mit tiefen Narben  (Hier entsteht ein Druck der Narbe auf den Nerv)
  • Tiefe Schnittwunden im oder knapp körpernah des Karpaltunnels mit tiefreichenden Narben (Hier entsteht ein Druck der Narbe auf den Nerv)

Besonders wichtig für die Abwägung des Zusammenhangs ist der Befund der unverletzten Gegenseite: (Ein unfallunabhängiges Karpaltunnelsyndrom ist häufig beidseitig!)

Fehlende Symptome an der unverletzten Seite, besonders aber eine normale Leitgeschwindigkeit des Nerven an der unverletzten Seite sind ein wichtiger Aspekt für die Bejahung eines Unfallzusammenhanges!

Gegen einen Zusammenhang sprechen:

  • Endokrine (hormonelle) Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenfehlfunktion….
  • Bereits operiertes Karpaltunnelsyndrom der Gegenseite oder beidseitiges Karpaltunnelsyndrom
  • Familiär gehäuftes Vorkommen
  • Bekannte Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • Intraoperativ gefundene anatomische Besonderheiten: (z.B. atypischer Muskel oder Tumor im Karpalkanal)

Die Bejahung der Zusammenhangsfrage ist meist einfach, wenn Symptome des Karpaltunnelsyndrom zeitnah zu einer Fraktur dokumentiert sind und auf der Gegenseite ein Normalbefund besteht.

Wichtig ist jedoch:

Auch wenn die Symptome eines Karpaltunnelsyndrom sich nach Jahren nach einem handgelenksnahen Knochenbruch entwickeln, ist ein Unfallzusammenhang zu prüfen! Ein Zusammenhang ist auch dann zu bejahen, wenn:

  • es im Gefolge einer nicht verheilten Fraktur zur Entwicklung einer Handgelenksarthrose kommt
  •  ausgeprägte Fehlstellung von Brüchen vorliegen, die allmählich (über Jahre) zu einer Druckschädigung am Nervus medianus führen.

img16Die Abb. zeigt einen erheblichen verschoben Speichenbruch, der über Jahre zu einer allmählich zunehmenden Druckschädigung des Nervus medianus (Karpaltunnelsyndrom) geführt hat.

Nicht geeignet ein Karpaltunnelsyndrom zu verursachen sind:

  • Einfache Prellung der Hand oder des Unterarmes
  • Blutergüsse an Unterarm und Hand ohne substanzielle Zerstörungen und tiefe Narbenbildungen (Hämatome werden innerhalb weniger Wochen vom Körper resorbiert)
  • Verbrennungen, die lediglich die oberen Hautschichten betreffen

in Kürze:

  • Frakturen der handgelenksnahen Speiche (Radiusfrakturen) oder nicht verheilte Kahnbeinbrüche sind die häufigsten Ursachen eines post traumatischen Karpaltunnelsyndroms
  • Die beidseitigen Messung der Nervenleitgeschwindigkeit ist für die Zusammenhangsfrage wichtig:
  • Eine beidseits verlängert Nervenleitgeschwindigkeit spricht für eine unfallunabhängige Verursachung des Karpaltunnelsyndroms
  • Auch wenn ein zeitlicher Zusammenhang besteht, so sind einfache Prellungen oder Blutergüsse ungeeignet ein Karpaltunnelsyndrom wesentlich zu verursachen

Nervenschaden Karpaltunnel:    1    2    3

 

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