Nervenschaden Karpaltunnel

Zusammenhang: Karpaltunnelsyndrom und Unfall

aus der Praxis:

Fall 1

Fr. S – 35 Jahre stürzt auf dem Weg zur Arbeit und zieht sich einen erheblich verschoben Speichenbruch (Radiusuraktur) zu.

Noch während der Ruhigstellung der Fraktur im Gips klagt sie über Mißempfindungen und „Kribbeln“ in den Finger der verletzten Hand

4 Monate nach dem Unfall wird bei einer Untersuchung beim Neurologen ein Karpaltunnelsyndrom festgestellt. Die Nervenleitgeschwindigkeit der unverletzten Seite liegt im Normbereich


Fall 2

Die 53 jährige Verkäuferin S fängt mit dem rechten Unterarm eine aus einem Regal abrutschende Kiste auf. Im D-Arztbericht ist eine kleine Prellmarke am körperfernen Unterarm und ein Hämatom (Bluterguss) beschrieben.

Drei Tage nach dem Unfall wird die Arbeit wieder aufgenommen. Nach Wiederaufnahme der Arbeit kommt es Nachts zu Mißempfindungen in der verletzten Hand, die wenige Monate später auch am Tage auftreten.

Bei einer Neurologischen Untersuchung circa 6 Monate nach dem Unfall wird rechts ein fortgeschrittenes Karpaltunnelsyndrom und links ein beginnendes Karpaltunnelsyndrom festgestellt.

Die Verkäuferin versichert, sie habe vor dem Unfall nie Beschwerden in der rechten Hand gehabt. Die Beschwerden links erklärt sie durch eine vermehrte Belastung dieser Hand nach dem Unfall.

Ausweislich des Verzeichnisses der Krankenkasse bestanden vor dem Unfall keine Arbeitsunfähikeitszeiten aufgrund von Handerkrankungen. Als Vorerkrankung ist ein nicht insulinpflichtiger Diabetes mellitus bekannt.

Aus der Sicht des Gutachters:

Im Falle 1 (Speichenbruch) ist der Unfallzusammenhange zwischen Karpaltunnelsyndrom und dem Unfall wahrscheinlich;

hingegen sprechen im Fall 2 wesentlich mehr Gründe gegen den Unfallzusammenhang als für einen Zusammenhang.

Die folgen Seiten sollen die medizinischen Aspekte dieser Abwägungen verständlich machen

In Kürze:

  • Das Karpaltunnelsyndrom ist ein sehr häufige Erkrankung.
  • In etwas 10 – 15 % aller Fälle besteht in der Krankenvorgeschichte ein Unfall im Bereich der betroffenen Hand oder des Unterarmes.
  • Häufig sind Speichenbrüche (Radiusfrakturen) , Kahnbeinbrüche, oder Luxationen der Handwurzel am Zustandekommen des Karpaltunnelsyndroms beteiligt!

Nervenschaden Karpaltunnel:    1    2    3

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