Belastungserprobung

Vor der eigentlichen Begutachtung nach einem Unfall:

Vor der eigentlichen Begutachtung nach einem Unfall wird seitens des behandelnden Arztes häufiger eine Belastungserprobung – präzise gesagt – eine Arbeitsbelastungserprobung gegenüber der Berufsgenossenschaft empfohlen. Dies empfiehlt der Durchgangsarzt (D-Arzt) besonders dann, wenn die Verletzung schwerwiegend und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit viele Monate betrug.

 

Eine Belastungserprobung ist eine Arbeit des verletzten Patienten in dem gleichen Betrieb wie vor dem Unfall. (Eventuell sogar am exakt gleichen Arbeitsplatz).

 

An dieser Stelle sollen die medizinischen Aspekte der Belastungserprobung in verständlicher Form erläutert werden.

 

Wie lange dauert eine Belastungserprobung?

Die meisten Ärzte empfehlen gegenüber der Berufsgenossenschaft eine Belastungserprobung für eine Zeitspanne von 4 Wochen. Bei schwereren Verletzungen oder sehr lange nach Behandlungen auch einmal für 6 Wochen.

(Seitens der Berufsgenossenschaft erfolgt danach eine Absprache mit den Verantwortlichen im Betrieb).

 

Wie viele tägliche Arbeitsstunden werden in der Phase der Belastungserprobung geleistet?

Die meisten Ärzte empfehlen mit einer täglichen Arbeitszeit von 4 Stunden in der Belastungserprobung zu beginnen. Nach 1 oder 2 Wochen wird – bei regelhaft verlaufender Belastungserprobung – dann die Dauer der täglichen Arbeitszeit allmählich gesteigert.

 

Was ist, so fragen Verletzte sehr häufig ihren behandelnden Arzt, wenn ich auf der Arbeit bestimmte belastende Tätigkeiten nicht leisten kann?

Aus ärztlicher Sicht ist es sehr wichtig zu betonen, dass der Verletzte während der Belastungserprobung weiter arbeitsunfähig ist! Aus der Sicht des Verletzten ist es bedeutsam, dass das Verletztengeld in der Zeit der Arbeitsbelastungserprobung weitergezahlt wird.

Sollte der Verletzte – zum Beispiel aufgrund der geschwächten Muskulatur nach einem Arbeitsunfall – bestimmte belastende Tätigkeiten nicht ausführen können, so sollte er dies umgehend mit dem behandelnden D-Arzt besprechen, sodass dieser hierüber die Berufsgenossenschaft informieren kann.

 

Welcher Sinn liegt in der Belastungserprobung?

Aus ärztlicher Sicht sind folgende sehr positive Aspekte einer Belastungserprobung im gewohnten Arbeitsumfeld herauszustellen:

durch die Begrenzung der Arbeitszeit am Anfang der Belastungserprobung auf 4 und später auf 6 Stunden, kann die durch die Verletzung geschwächte Muskulatur sich allmählich wieder aufbauen und an die früher übliche Belastung anpassen.

In der Zeit der Belastungserprobung bessern sich auch häufig Bewegungseinschränkungen verletzter Gelenke, wenn während der Belastungserprobung die vor dem Arbeitsunfall gewohnten Bewegungen wieder trainiert werden.

Ein weiterer Aspekt ist aus ärztlicher Sicht auch die erneute Eingewöhnung an einen – von der Arbeit bestimmten – Tagesablauf.

Während der Belastungserprobung kann ärztlicherseits festgestellt werden, ob der Verletzte in der Lage ist, seine vor dem Unfall ausgeübte berufliche Tätigkeit wieder auszuüben.

 

Auch für den Verletzten hat eine Belastungserprobung einen großen Vorteil. Der Verletzte spürt in den Wochen der Belastungserprobung, ob er der früheren beruflichen Tätigkeit wieder in vollem Umfange gewachsen ist.

 

Was ist, wenn während der Belastungserprobung starke Beschwerden an der verletzten Körperregion auftreten?

Gerade bei diesem Problem sollte umgehend dem behandelnden D-Arzt berichtet werden!

Im Falle stärkerer Beschwerden oder erheblicher Schwellungen an der verletzten Körperregion, wird der D-Arzt die Belastungserprobung abbrechen oder zeitlich verlängern und die tägliche Arbeitszeit reduzieren. Hierüber berichtet der D-Arzt der Berufsgenossenschaft.

Eventuell wird der D-Arzt in einem solchen Fall auch weitere Untersuchungen – zum Beispiel Röntgenuntersuchungen – veranlassen, um die Ursache der verstärkten Beschwerden oder Schwellungen auf der Arbeit zu finden. Eine der vielen Ursachen für Schmerzen bei stärkerer Belastung, kann eine noch nicht ausreichen verheilte Fraktur sein.

 

Gibt es eine Belastungserprobung auch nach einer Berufskrankheit?

Ja! Auch nach einer Berufskrankheit und einer längeren Arbeitsunfähigkeit in Folge der Berufskrankheit, kann der D-Arzt der Berufsgenossenschaft eine Belastungserprobung (Arbeitsbelastungserprobung) vorschlagen.

Gerade bei einer Berufskrankheit kann im Rahmen einer Belastungserprobung festgestellt werden, ob die Berufskrankheit erneut auflebt oder sich verschlimmert.

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